OFI Kreta – Ein etwas anderer Stadionbesuch

 Als ehemaliger Fußballspieler, als jahrelanger Trainer, als Fußballfunktionär interessiert man sich einfach für Fußball. Diese Leidenschaft hat sich leider oder Gott sei Dank auf meinen Sohn übertragen. Daher war es nicht schwer Ihn zu einem Fußballabenteuer auf Kreta zu überzeugen.

Im Vorfeld versuchte ich Karten online für dieses Spiel, was an einem Samstagabend gegen Asteras Tripolis stattfinden sollte zu erwerben. Leider war dies schwerer als gedacht. Zuerst benötigt man eine „Freundkarte“ des OFI Kreta. Nur mit dieser ist es erlaubt Karten zu erwerben. Über Ticketmaster.gr konnte man diese auch relativ leicht erwerben. Wichtig ist, dass der Name mit dem Ausweisdokument übereinstimmt, auch wenn es später keiner kontrolliert hat.
Am Online-Kauf der Karten für das Spiel, scheiterte ich, da es mir einfach zu aufwendig war. Die vier Seiten Anleitung dafür überflog ich zwar nur, aber ich hatte einfach keine Lust und Zeit mir eine offizielle App der Regierung runterzuladen und den Kauf mit einem Onlineausweis zu bestätigen. Google informierte mich darüber, dass es auch möglich sein würde Tickets vor Ort zu kaufen.

Von unserer Villa Gamma in Kamilari die wir übrigens auch vermieten (ja mal wieder Werbung, wer mehr Infos über unsere Villa haben möchte, findet dieses unter www.villa-gamma-kreta.de), sind es zum Stadion genau 59 km und man erreicht das Stadion in ca. 50 Minuten. Da wir keine Karten hatten, sind wir schon gegen 14 Uhr von Kamilari aufgebrochen. Ich dachte eigentlich, dass das Spiel um 19 Uhr ist, jedoch war es um 20 Uhr. Also deutscher Zeit war es auch um 19 Uhr, aber das blickte ich erst als wir vor Ort waren. Geparkt habe ich, da wir so früh waren direkt vorm Stadion. So ein Stadion hab ich noch nie gesehen, quasi mitten in einem Wohngebiet, ringsherum Häuser. Einige Anwohner haben sogar Vip-Plätze auf dem Balkon und können sich das Spiel vom  Balkon anschauen. Erst sind wir einmal um das Stadion herum um uns ein Bild zu machen. In das Stadion gehen  übrigens laut Google 7000 – 9000 Menschen. Wobei ich mich frage wie die Menge der Zuschauer festgelegt wird. Ich vermute nach Attraktivität des Gegners. OFI spielte im Mai 25 das Pokalfinale in Athen, das Halbfinale war ausverkauft, bei unserem Spiel gegen Tripolis waren leider nicht so viele Leute dort. Direkt am Stadion befindet sich der OFI Fanshop, der auch schon als wir gegen 15 Uhr vor Ort waren, geöffnet hatte. Da wir bei unserem Rundgang ums Stadion keinen Ticktet-Schalter entdeckt hatten, waren wir guter Dinge hier Tickets zu ergattern. Doch erstmal deckten wir uns mit einem Trikot für meinen Sohn und ein OFI Shirt für mich ein. Die Mitarbeiter waren super freundlich, wie die meisten Kretaner. Hier fragte ich auch nach Karten und eine freundlicher OFI Mitarbeiter sagte mir dass ich die bei ihm kaufen kann und mitkommen soll. Im Nebenraum setzte er sich an einen Laptop, fragte ab ob ich eine Freundekarte hab, die ich ihm dann vorzeigte und empfahl mir zwei Plätze im Block 8.
Für die Karten auf der Haupttribüne zahlten wir 25 + 12 = 37 €. Ein fairer Preis! Da das Stadion noch nicht geöffnet hatte, entschlossen wir  uns in der Umgebung was zu Essen und zu trinken.

Unweit vom Stadion, gab es ein Café in dem wir aber nur was getrunken haben. Dabei schauten wir was Bundesliga. Dank der amerikanischen Suchmaschine fand ich ein gut bewertetes Restaurant ca. 400 m von uns entfernt. Gut bewertet mit 4,9 Sternen kehrten wir dort ein und wurden freundlich empfangen. Tsatsiki, Brot und frittierten Feta mit Honig und Nüssen gabs vorweg, als Hauptspeise wurde uns Schrimps Saganaki  (schreibt man das so?) und ein Hähnchen Spies mit Pommes serviert. Ohne einen kleinen Nachtisch und Raki, den man in Kamilari und Umgebung meistens aufs Haus serviert bekommt, zahlten wir mit zwei Getränken, knapp über 30 €. Kannste nix sagen oder?


Noch zwei Stunden bis zum Spiel, wir machten uns zum Stadion auf, um die Stadionatmosphäre aufzusaugen. Aber irgendwie warn wir viel  zu früh.

Bei den Ultras war noch keiner da, aber ein Mannschaftsbus der Polizei, ausgestattet mit Helmen und Schlagstöcken. Das lies doch auf ein südländisches Fußballfest hoffen. Das Stadion war geöffnet und wir konnten Block 8 betreten. Bei der Kontrolle war ein sehr netter der Mann der uns ansah dass wir keine Hooligans sind, die Tickets kontrollierte und uns Proforma was ab tätschelte. Freudestrahlend wollten wir schon ins Stadion, als eine ältere griechische Dame zu Ihrem Kollegen Passport sagte. Der uns kontrollierte, rollte nur die Augen und sagte wahrscheinlich zu Ihr: „Oh Mann, dass ist doch nicht notwendig, dann mach du es halt, wenn du denkts!“ Also zeigte ich der Alten, ich meine der alten Dame meinen Ausweis, den Sie sich genau anschaute aber nicht wirklich mit dem Ticket abglich. Dann wollte Sie den Ausweis meines Sohne sehen, den hatten wir natürlich nicht dabei. Ich wollte schon mit einer Diskussion anfangen, als mein schlauer Sohn darauf hinwies, dass ich den doch im Handy haben müsste, als Foto. Guter Junge, also zeigte ich Ihr ein Foto, was Sie wieder nicht wirklich mit dem Ticket kontrollierte, dennoch genau anschaute. Mit einem lächeln lies sie uns dann ins Stadion.
Vor dem Aufgang im sehr eng gebauten Stadion kauften wir dann beim Versorgungsstand eine Tüte Popcorn für nur 3 €. Ich hatte Bock auf was Süßes! Wir gingen die Treppe rauf und erblickten das Stadion, auf dem Platz waren schon ein paar Spieler der Gäste bei der Platzbegehung und einige Betreuer die die Warmmachübungen aufbauten. Und da waren dann noch, ne stimmt gar nicht wir waren die ersten Zuschauer im Stadion mit ein paar Offiziellen. Daher fanden wir auch schnell unsere Plätze und konnten uns dem Popcorn widmen. War salzig, sch…! Naja, Popcorn macht Brand also, schickte ich meinen Sohn was zu trinken holen. Bier, ne musste noch fahren, also Limo, einen Becher für 3 €. Kannste nix sagen oder?

Inzwischen füllte sich die Haupttribüne und auch die Gegengerade etwas. Die Gegengerade war nur von der Höhe her etwa die Hälfte der Haupttribüne, dafür ragten aber über Sie heraus, die Balkone der angrenzenden Häuser. Die Mannschaften kommen zum warmmachen auf den Platz, jetzt wird’s laut dachte ich. Ich klatschte noch 10 Andere, die Ultras waren noch nicht da, komisch. Je näher der Anpfiff rückte desto voller wurde es, auf den Tribünen nur nicht im Gästeblock und in der Fan-Kurve. Die meisten Zuschauer kamen zwischen 30 Minuten und eine Minute vor Anpfiff. Auch die Fankurve der Ultras füllte sich was, lass es mal 100 Leute gewesen sein. Schon jetzt verraten, der Gästeblock blieb leer, kein Auswärtsfan hatte Bock auf die Reise nach Kreta. Der OFI Trommler war inzwischen da und auch der Fahnenschwenker aber sonst war es mager mit den Ultras.
Wahrscheinlich hatten Sie einfach besseres zu tun, oder einer von Ihnen hatte Namenstag und feierte diesen wo anders. Wenn es am Ende 300 im Fanblock waren ist es gut geschätzt. Die Mannschaften ziehen ein, jetzt wird es laut dachte ich. Es gab einen wohlwollenden Applaus, aber der Fangesang blieb aus. 


Beeindruckend fand ich auch den Bauchladenverkäufer in unserm Block. Mit seinem aus den 60er oder 70er Jahre stammenden Bauchladen aus Holz verkaufte er alles, jedoch nicht gleichzeitig. Ich vermute er hatte mehrere Bauchläden, nur so ist der schnelle Sortimentswechsel zu erklären. Er verkaufte kalte Getränke, dann mal Sandwiches, dann mal Popcorn und Süßigkeiten, und auch Kaffee und andere Heißgetränke. Und vermutlich hatte alles einen Standardpreis von 3 €.

Anpfiff das Spiel ging los Schätzungsweise vor 2000 Zuschauer, darunter einige Touristen aus England, den Niederlanden und Deutschland, also genügend Fachkompetenz für ein tolles Spiel. Und auch die Ultras erbarmten sich und feuerten Ihre Mannschaft an. Es gab ein Lied was sie in der ersten Halbzeit mehrmals sangen und damit auch die Tribünen mit ansteckten, wenigsten für 1-2 Minuten. Dann gab es auch einen getrommle und geklatsche was schneller wurde mit heftigen OFI Sprechchören aus dem ganzen Stadion endete. Leider ebbte die Anfeuerung schon nach wenigen Sekunden wieder ab. Ganz kurzfristig kam eine tolle Atmosphäre auf. Auffällig war dass nach vergebenen Chancen von Kreta das Publikum eher negativ, statt mit positiven Anfeuerungen reagiert, wie jetzt erst Recht. Man ist offensichtlich sehr verwöhnt und kritisch. OFI machte das Spiel aber nutzte die Chancen nicht. Wahrscheinlich wussten die die Einheimischen was kommt, nach einem Konter machte Asteras durch einen gewissen Julián Bartolo (was nicht typisch Griechisch klingt) da 0:1 in der 79. Minute. Hoffnung entbrannte in mir dass jetzt nochmal eine Ruck durch die Mannschaft und vor allem durchs Publikum ging. Leider blieb meine Hoffnung unerfüllt und Tripolis setzte in der 84. Minute mit dem 0:2 den Deckel drauf.
So schnell wie sich das Stadion von dem Spiel kurzfristig füllte, war es auch wieder leer. So konnten wir direkt vom Stadion ohne Stau und sonstige Verkehrsbeeinträchtigungen den Rückweg zu unseren schönen Villa Gamm in Kamilari an.

Dass soll es gewesen sein? Nein, ich komme wieder, keine Frage!

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